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©4.15.2012 Revive Israel Ministries

Rabbi „J“

von Asher Intrater

Vor kurzem kam eine Debatte auf über die Frage, ob Leiter von messianischen Gemeinden in der Diaspora sich selber als Rabbiner bezeichnen sollen. Es gibt Argumente dafür und dawider. Interessanterweise benützt keiner der Leiter in Israel diese Bezeichnung. In Israel haben Rabbiner eine so einflussreiche, autoritäre Stellung, dass es mindestens im Moment unpassend wäre, sich als Gemeindeleiter Rabbi zu nennen.

Ähnlich kam es zu einer Diskussion, ob der Apostel Paulus (Saulus) als Rabbi bezeichnet werden soll. Einerseits wird er in den Schriften des Neuen Bundes nie Rabbi genannt. Andererseits wird er klar als jemand dargestellt, der eine rabbinische Position innehatte, der Beglaubigungsschreiben der Hohe Priester hatte (Apg. 9,2; 22,5), der Teil der Führung des orthodoxen Judentums war (Galater 1,14), der Mitglied in einer der radikalsten Sekten war (Apg. 26,5), und der in einer Jeschiwa in Jerusalem von Gamaliel gelehrt worden war (Apg. 22,3).

Weiter stellt sich die Frage, ob es angemessen ist, Jeschua (Jesus) Rabbi zu nennen. In der modernen Hebräischen Version der Evangelien wird Jeschua 50 (!) Mal Rabbi genannt. Von diesen 50 Mal sind 13 die Übersetzung des griechischen Wortes Rabbi (vor allem im Johannesevangelium), 36 Mal vom Wort didaskalos (oft übersetzt als „Meister“ oder „Lehrer“), und einmal vom Wort kathegetis.

An keiner dieser Stellen heisst es, dass man Jeschua Rabbi nennen soll (im Gegensatz zu den Begriffen Messias (Christus), Sohn Gottes (Matthäus 16,16),  und Herr (Römer 10,9)). Trotzdem zeigt die Häufigkeit des Begriffs eine gewisse Berechtigung, den Begriff zu benützen, wenn man sich an eine jüdische Zuhörerschaft wendet oder den historisch-kulturellen Zusammenhang des Neuen Bundes gegenüber einer internationalen Zuhörerschaft hervorhebt.

Matthäus 23,8 – Aber ihr sollt euch nicht Rabbi (rabbi) nennen lassen, denn einer ist euer Meister (didaskalos, engl. Bibel „Rabbi“), der Christus (christos); ihr aber seid alle Brüder.

Während dieser Vers darauf hindeuten könnte, dass man den Begriff Rabbi nicht für messianische Leiter verwenden sollte, könnte er ebenso gut auch darauf hindeuten, dass man ihn für Jeschua benutzen darf. Es gibt keinen Notwendigkeit, Jeschua in heidnischen Nationen Rabbi zu nennen. Trotzdem ist es gerechtfertigt, den Begriff zu gebrauchen, um den kulturellen Kontext darzustellen. Wir könnten Ihn „Rabbi J“ nennen.

Es gibt ein neues Interesse in der jüdisch-akademischen Welt und sogar in der Rabbinischen Gemeinschaft, sich mit Jeschua in einem jüdischen, historischen Kontext zu befassen. Ein CNN-Artikel mit dem Titel Juden besinnen sich zurück auf Jesus als einer der Ihrigen (Jews Reclaim Jesus as One of their Own) nennt vier kürzlich erschienene Sachbücher von einflussreichen jüdischen Authoren:

  1. The Jewish Annotated New Testament, herausgegeben von Amy-Jill Levine
  2. Kosher Jesus, von Rabbi Shmuely Boteach
  3. My Jesus Year, von Binyamin Cohen
  4. The Jewish Gospels: The Story of the Jewish Christ, von Daniel Boyarin

Diese Autoren glauben nicht an Jeschua als Erlöser und sind dem messianischen Glauben gegenüber oft feindlich eingestellt. Trotzdem ist Interesse am und Forschung zum jüdischen Hintergrund des Neuen Bundes ein positiver Trend. Um den ganzen Artikel zu lesen, bitte hier klicken (auf Englisch).


Auferstehung und Passah

Diese Woche haben die Ostkirchen in den arabischen Ländern  die Auferstehung Jeschuas gefeiert. Palästinensische Evangelikale haben zusammen mit einigen messianisch-jüdischen Gästen vor dem leeren Grab beim Gartengrab in Ost-Jerusalem Gottesdienst gefeiert. Messianische Juden feiern den Tod und die Auferstehung Jeschuas als Teil der Passahwoche. Wir lehren über die Kreuzigung am Sabbat direkt vor Passah und über die Auferstehung am Sabbat gleich danach.

Der Zusammenhang zwischen Passah und der Auferstehung von Jeschua ist tiefgründig. In beiden Vorkommnissen finden wir den Ausdruck lifnot boker, was so viel bedeutet wie „unmittelbar vor Tagesanbruch.“

2. Mose 14,27
Da reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam lifnot boker wieder in sein Bett, und die Ägypter flohen ihm entgegen.

Johannes 20,1
Am ersten Tag der Woche kommt Maria von Magdala lifnot boker, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weg war.

Die Israeliten verliessen Ägypten in der Nacht von Passah und campierten zwei Nächte während der Reise (von Sukkot bis Etam bis Pi Hahirot – 2. Mose 13,20; 14,2). Gott öffnete das Meer während dieser zweiten Nacht. Am Morgen des dritten Tages gingen sie durch das Rote Meer hindurch und stiegen auf der anderen Seite wieder hoch.

Der Engel JHWH war mit ihnen und führte sie in dieser Durchquerung an. Die Israeliten schritten durch das Wasser wie eine starke, symbolische Gruppentaufe (1. Korinther 10,1-2). Aus dem Meer herauszusteigen war eine symbolische Auferstehung für sie. Wir glauben, dass der Engel JHWH in der Wolkensäule und in der Feuersäule Jeschua persönlich, in seiner Vorgeburtsform, war.

Nach Jeschuas Kreuzigung wurde Sein Leichnam in das Grab gelegt. Seine Seele und Sein Geist stiegen hinunter in die Hölle. Bevor am dritten Tag der Tag anbrach, zerstörte er die Mächte der Hölle und stieg hinauf, zurück in Seinen Körper. Der Moment, in dem Er aus dem Grab herausging war genau die gleiche Stunde am selben Tag, in der Er über tausend Jahre früher aus dem Roten Meer herausstieg.

Die beiden Ereignisse geschahen in derselben Weise am selben Tag und zur selben Zeit, weil sie in den Augen Gottes wesentlich miteinander verknüpft sind. Sie sind zu einem Ereignis vereinigt. Jeschua war die zentrale Figur in beiden Vorkommnissen. Mirjam war dort und Mose war dort, aber die Auferstehung und der Auszug aus Ägypten wurden durch Jeschua, den Sohn Gottes, den Boten von JHWH, herbeigeführt.

Eines der wichtigsten Elemente der traditionellen Sederfeier an Passah ist, dass wir uns in jeder Generation so betrachten sollen, als ob wir gerade erst aus Ägypten heraus geführt worden wären. Im Neuen Bund ist dies ähnlich, wir sollen uns so betrachten, als wären wir zusammen mit Jeschua gekreuzigt und auferweckt worden wären. Der historische Auszug der Kinder Israels aus Ägypten mit dem Engel Jehovah ist die Grundlage des geistlichen Auszugs aller Kinder Gottes durch den Messias Jeschua.

Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft überschneiden sich und werden Eins, wie wir in diesem prophetischen Bild der Auszugs-Auferstehung aus Gottes ewigem Plan und Seiner Perspektive sehen können.


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