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Die Haltung der Apostel gegenüber dem religiösen Judentum in der Apostelgeschichte
©21. November, 2010 Von Asher Intrater

 

Es herrscht eine anhaltende Debatte unter den messianischen Pastoren in Israel über unsere Haltung gegenüber dem religiösen Judentum und dem Gesetz Moses. Es gibt einen kleinen Prozentsatz (vielleicht etwa 10%), die glauben, dass wir alles aus dem rabbinischen Judentum akzeptieren sollen, und einen anderen kleinen Prozentsatz (etwa 20%), die glauben, dass wir alles aus dem rabbinischen Judentum ablehnen sollen. Die Mehrheit findet sich irgendwo in der Mitte der Diskussion wieder.

Mir ist aufgefallen, dass eine ähnliche Debatte unter den Pastoren der Gemeinden dieser Welt geführt wird. Eine sehr kleine Zahl ist so verzückt vom rabbinischen Judentum, dass sie den Wunsch hegen, die gesamte jüdische Kultur zu übernehmen. Ein grösserer Teil ist immer noch beeinflusst von der Substitutionstheologie, der Anti-Gesetzlichkeit, und sogar dem Antisemitismus. Viele christliche Leiter, die eine Liebe für Israel und das jüdische Volk in der Bibel sehen, finden sich ebenfalls irgendwo dazwischen und sind etwas verwirrt.

Diese Diskussion kann mit der Debatte aus Apostelgeschichte 15 verglichen werden, die vor 2000 Jahren geführt wurde. Da wurde die Frage verhandelt, ob die Heiden die Gesetze Moses halten müssen. Die Antwort der Apostel, so wie ich sie interpretiere, war, dass die Heidenchristen frei sind von den symbolischen und zeremoniellen Elementen des Gesetzes, aber dass die Elemente der universellen Moral auch für sie immer noch bindend sind.

Man beachte: Die Unterscheidung zwischen priesterlichen Symbolen und der universellen Mora ist keine Erfindung des Neuen Bundes; bereits die Propheten Israels haben sie erwähnt. Jeschua (Jesus) lehrte darüber in Matthäus 9,13; 12,7; 23,23 und Markus 12,33. Aber die Unterscheidung zwischen symbolischem Gesetz und moralischem Gesetzt ist bereits früher erkennbar, in 1. Samuel 15,22; Jesaja 1,11 & 17; Jeremia 4,4; Hosea 6,6; Micha 6,7 & 8. Mein Lieblingsvers ist Sprüche 21,3 – „Recht und Gerechtigkeit üben ist dem Herrn lieber als Opfer.”

Um den Hintergrund etwas zu erhellen habe ich eine kurze Aufstellung über die Haltung der Apostel gemacht, indem ich jeden Vers in der Apostelgeschichte, der sich mit rabbinischem Judentum oder dem mosaischen Gesetz befasst, aufgelistet habe. Ich habe 148 Verse zu dem Thema gefunden: 78 Verse enthalten Kritik, 70 Verse enthalten eine Bestätigung. Es gibt kein einziges Kapitel, welches nicht irgendwie Bezug nimmt auf diese Frage. So wie dieses Thema für die frühe Glaubensgemeinschaft wichtig war, ist es das heute noch. Was können wir von dieser Übersicht lernen?

Zuerst sehen wir, dass es bezüglich dieses Themas ein Gleichgewicht gibt. Es ist nicht biblisch, das rabbinische Judentum als gänzlich negativ oder nur positiv zu sehen. Vielmehr gibt es Vor- und Nachteile. Mir gefällt die Zusammenfassung von Paulus (Saulus) zum Thema in Römer 11,28 – „Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen, hinsichtlich der Auserwählung aber Geliebte um der Väter willen.” Es gibt Bestandteile des rabbinischen Judentums, die der Gnade Gottes und dem Evangeliums der Errettung völlig entgegengesetzt sind; andererseits gibt es innerhalb des Judentums Elemente, die den historischen Glauben Abrahams und Moses aufrechterhalten.

Von den 78 Versen in der Apostelgeschichte, die dem religiösen Judentum gegenüber kritisch sind, befasst sich die grosse Mehrheit mit der Verfolgung der messianischen Juden (59) und der Ablehnung Jeschuas (10) durch die Juden. Nur 9 Verse kritisieren sie wegen ihrer Gesetzlichkeit oder wegen Sünde. Ich habe keinen Vers gefunden, der die Stellung des religiösen Judentums als die Fortsetzung des Glaubens unserer Väter abstritt.

Das ist für beide Seiten bedeutend: Lasst euch nicht täuschen. Es gibt eine grundsätzliche Absicht oder Strömung im rabbinischen Judentum, die sich gegen den Glauben an Jeschua richtet. Wer nicht vorsichtig ist, wird geschwächt werden, weil er sich zu sehr beeinflussen lässt durch die rabbinische Lehre. Auf der anderen Seite lehnen die Apostel die Aspekte des jüdischen Glaubens und Handelns, die das Evangelium nicht betreffen, nicht grundsätzlich ab.

Bei den „bestätigenden” Versen umfasst die grösste Gruppe (16) Aussagen, mit denen sich die Apostel als Teil des Glaubens, der Kultur und des ethnischen Hintergrunds der Juden identifizieren. Diese Aussagen wurden vor allem dann gemacht, wenn sie die frohe Botschaft verkündeten, damit der Glaube an Jeschua nicht vom Volk Israel getrennt werden kann.

Die zweitgrösste Kategorie (15 Verse) zeigt die Haltung der Apostel gegenüber dem Gesetz Moses. Sie sahen das Gesetz und die Propheten als das verbindliche Wort Gottes. Sie sahen sich selbst als solche, die das Gesetz hielten und sich den Prophetien des alten Israel unterwarfen.

Die dritte Gruppe von Aussagen (15 Verse) sind Bestätigungen rabbinischer Tradition. Die Apostel bestätigten die Traditionen nicht als Wortes Gottes, aber sie unternahmen alles, um die Kultur ihrer Familie und ihrer Freunde zu respektieren. Weitere 10 Verse sprechen von der Gewohnheit der Apostel, in jeder Stadt in die Synagoge zu gehen. Die Synagoge wurde als berechtigter Ort für Gebet, Gemeinschaft und Bibelstudium angesehen.

Schliesslich habe ich 14 Verse gefunden, die von einer gewissen Gottesfurcht, von Glauben und Berufung innerhalb der religiösen Juden ihrerseits sprachen. Die Tatsache, dass sie den Messias noch nicht kannten, hat das Mass an Gerechtigkeit, das sie innerhalb der jüdischen Religion hatten, nicht geschmälert.

Wir sind der Wahrheit des ganzen Wortes Gottes verpflichtet: der Torah, den Propheten und dem Neuen Bund. Ausserdem wünschen wir uns, unseren Glauben den Menschen um uns her wirksam weiterzugeben. In den jüngsten Interviews im israelischen Fernsehen und in Zeitungen kamen wurden immer wieder Fragen darüber gestellt, wie wir in der messianischen Gemeinschaft die Fragen des Judentums und des Gesetzes Moses angehen, dies obwohl die israelischen Medien selbst hauptsächlich weltlich sind.

So wie Jeschua und seine Jünger mit den Fragen der Torah umgehen mussten, als sie den Juden die frohe Botschaft brachten, müssen wir dies auch heute tun. So wie die Frohe Botschaft erneut von Jerusalem aus in die Nationen der Welt hinausgeht, wie sie es schon im ersten Jahrhundert tat, so sehnen wir uns danach, dass unsere Botschaft die gleichen Reich-Gottes-Prioritäten hat wie sie von den Aposteln formuliert wurden.
Unser Ansatz ist es, radikal in der Arbeit des Heiligen Geistes zu sein, mutig in der Darstellung des Evangeliums, der moralischen Integrität verpflichtet und ausgeglichen in unserer Haltung gegenüber der jüdischen religiösen Tradition. Wir folgen den Fussspuren der Apostel. Betet für Einheit in diesen Fragen in der messianischen Gemeinschaft in Israel und dem internationalen Leib Christi.
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