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"Die Er auserwählt hat"
(Oder "Eine neue Sicht auf Römer 11 und das Schicksal Israels)
©Februar 2, 2007 Asher Intrater

            Teil Eins: Vorsehung und Bestimmung

Im Römerbrief finden wir an zwei Stellen den überraschenden Satz “die Er auserwählt hat”. Das erste Mal (Römer 8) bezieht er sich auf ein Individuum – irgendjemanden, der sich dafür entscheidet, sein Leben Jesus, dem Messias, hinzugeben. Das zweite Mal (Römer 11) bezieht er sich auf eine Nation – vielleicht irgendeine Nation, aber in diesem Fall spezifisch auf die Nation Israel.

Ein wichtiges Prinzip der Bibel ist, dass “auserwählen” vor “bestimmen” kommt.

Römer 8, 29-30 (Hoffnung für Alle)

Wen Gott nämlich auserwählt hat, der ist nach seinem Willen auch dazu bestimmt…

Gott liebt alle Menschen und er wünscht sich, dass sie seine Kinder werden. Damit jemand aber lieben kann, muss er einen freien Willen besitzen. Der freie Wille macht es möglich, dass jemand sich dafür entscheidet, zurückzulieben, oder eben nicht.

Obwohl Gott uns einen freien Willen gab, macht es Ihm seine übernatürliche Fähigkeit möglich, vorauszusehen und zu wissen, wer am Ende wählen wird, Ihn zu lieben und wer nicht. Das stimmt überein mit dem rabbinischen Sprichwort: „Alles ist vorgesehen, trotzdem wird freier Wille gewährt (Pirke Avot 4, 19).“

Gott würde es vorziehen, wenn alle sich dafür entscheiden würden, Seine Gnade zu empfangen, trotzdem weiss Er, dass das nicht alle tun werden. Für diese, von denen Er weiss, dass sie sich für Ihn entscheiden werden, „bestimmt“ Er – bereitet Er einen Plan vor, um sie zu segnen. Für jene, von denen Er weiss, dass sie sich gegen Ihn entscheiden werden, bereitet Er einen Plan vor, um sie zu bestrafen. Es ist an jedem einzelnen, sich zu entscheiden, woran er einmal Teil haben will (2. Timotheus 2, 20-21). 

Wenn jemand die Gnade Gottes wählt, so erwählt Gott ihn. Jeder, der Gott wählt, wird einer der Erwählten, einer der “Auserwählten”. Gott bestimmt die Auserwählten vor, weil er vor der Zeit weiss, wer Ihn wählen wird. Seine „Auserwählung“gründet auf seiner “Vorkenntnis”.

1. Petrus 1, 1-2

…die auserwählt sind nach Vorkenntnis Gottes…

Derselbe Ablauf (freier Wille – Vorsehung – Bestimmung) gilt für jeden Menschen, ob er der einfachste Gläubige sei, oder der grösste Apostel. Paulus’ Beschreibung in Römer 8 wendet die gleiche Berufung, die der Prophet Jeremia erhielt, auf jeden Gläubigen an (Jeremia 1, 5).

            Teil Zwei:  Das erwählte Volk

1978 begann ich für den messianischen Evangelisten Manny Brotmann zu arbeiten. Er sandte mich hinaus, um in den Kirchen das zu lehren, was wir die „Römer 11 Botschaft“ nannten. Nach all diesen Jahren staune ich noch immer über die tiefen Geheimnisse, die in Römer 11 enthalten sind.

Am Anfang des Kapitels nennt Gott das jüdische Volk zweimal „Sein Volk“. In dieser Zeit des „neuen Testaments“, nach den Evangelien und nach der Apostelgeschichte, werden die Juden noch immer „Volk Gottes“ genannt. Das Ganze ist in der Gegenwartsform gehalten, nicht nur in der Vergangenheit, die Juden sind also Gottes erwähltes Volk, sogar aus einem völligen „christlichen“ Standpunkt.

Wie kann das sein? Als Jude lehne ich jede rassistische Interpretation von “Erwählt-Sein” ab. Es muss geistliche, moralische oder historische Gründe für diese Bezeichnung geben. Ich glaube, dass die Antwort einmal mehr im Satz „die Er auserwählt hat“ gefunden werden kann.

Römer 11, 1-2

Hat Gott etwa sein Volk verstossen? Das sei ferne!

Gott hat sein Volk nicht verstossen, das er vorher erkannt hat.

Wenn Gott das jüdische Volk vorher erkannt hat, so muss es etwas gegeben haben, dass er wusste. Was könnte das sein? Studieren Sie eine Weile darüber nach. Es muss etwas geben, was seine Erwählung des jüdischen Volkes “rechtfertigt”. Er muss etwas gewusst haben, dass bereits passiert ist, oder Er muss etwas wissen, das NOCH NICHT passiert ist. Schauen wir uns einige Möglichkeiten an:

1. Absolute Souveränität

Gott hat das Recht auszuwählen, wen immer Er will. Er ist der Töpfer, wir sind der Ton. Wenn Er entscheidet das jüdische Volk als Sein Volk auszuwählen, so ist es ein Test für alle anderen Völker der Erde, ob sie sich Gottes souveräner Autorität unterordnen. So das Argument von Römer 9, 14-23.

Wir sollten aber den Charakter Gottes gut genug kennen, um zu wissen, dass Seine Wahl nie zufällig oder ungerecht ist, obwohl Er das Recht und die Macht hätte dazu.

2. Treue zu den Vorvätern

Das jüdische Volk ist die Nachkommenschaft von Abraham, Isaak und Jakob. Gott schloss einen Bund mit diesen Vorvätern. Einer der Bestandteile von Gottes Bund besagt, dass Er den Nachkommen Seiner Bundespartner spezielle Aufmerksamkeit schenkt. (Jede Person, die sich für Yeshua entscheidet, tritt in eine eigene Bundesbeziehung mit Gott und somit sind ihre Kinder auch “ausgewählt” für einen speziellen Segen.)

Paulus spricht von diesem Konzept in Vers 28 mit den Worten „hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte um der Väter willen“. Dies nennen die Rabbiner „z'chut Avot”, was soviel heisst wie das “Recht” der Vorväter.

3. Der Erstling der Nationen

Nicht nur die jüdischen Vorväter waren Gott treu, sondern die ganze Nation war die erste in der Geschichte, die einen andauernden Bund mit Gott hatte. Als Gott Mose nach Ägypten sandte, sagte Er: “Mein erstgeborener Sohn ist Israel.“ (2. Mose 4, 22)

Wegen dieser “Erstgeborenen-Rolle” des jüdischen Volkes, haben sie einen bestimmten Rang in der internationalen Familie Gottes. Sogar der aktuelle Papst sprach von Israel als dem „ältern Bruder“ der Kirche. Die Tatsache, dass Israel die erste Nation war, die den Glauben an einen Gott des Bundes empfing, bildet eine historische Grundlage oder Wurzel für den Rest der Nationen (Römer 11, 16-21).

4. Apostolische Gemeinde des ersten Jahrhunderts

Die internationale Gemeinde von heute gründet nicht nur auf dem Glauben der Vorväter, sondern auch auf den Aposteln und Propheten des ersten Jahrhunderts. Die feurige Glaubensgemeinschaft in den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte war hauptsächlich jüdisch. Sie empfingen die Mission der Weltevangelisation. Ihre Gemeinde tat mehr als jede andere, um das Königreich Gottes voranzutreiben. In Rom war ich kürzlich erstaunt zu sehen, dass der Vatikan über dem angeblichen Grab eines jüdischen Fischers von Galiäa namens Simon, Sohn des Jona, (Petrus, der erste “Papst” in ihrer Terminologie) gebaut ist.

Wenige Christen würden abstreiten wieviel ihres Glaubens sie einem eifrigen Studenten des Rabbi Gamaliel in Jerusalem, namens Saul (der Welt bekannt als Paulus der Apostel), verdanken. Wenn auch für nichts anderes, so könnte man doch die Juden als das auserwählte Volk betrachten für die Treue der ersten Jünger.

Bemerkung: Vielleicht würden viele meiner Leser bis jetzt mit mir übereinstimmen. Manche würden sogar noch auf die Werke bedeutender jüdischer Rabbiner, Wissenschaftler, Professoren und Staatsmänner hinweisen, die die Geschichte in den vergangenen 2000 Jahren beeinflusst haben. Ich schreibe aber in diesem Artikel nicht nur über die historische Bedeutung für das erwählte Volk, sondern auch über die prophetische Bedeutung für die Zukunft.

            Teil Drei: Was wird ihre Vollzahl sein?

Römer 11 ist die wichtigste Stelle in der Bibel, die beschreibt, warum die Juden das auserwählte Volk Gottes sind. Erstaunlicherweise liegt das Hauptgewicht dieser Passage nicht auf der Nation als Ganzes, sondern auf dem messianischen Überrest in der Nation. Noch überraschender ist es, dass die Betonung nicht auf dem liegt, was Israel schon getan hat, sondern darauf, was noch geschehen wird in der Zukunft.

Die zukünftige Rolle Israels ist nicht nur grosser, als die vergangene, sondern “VIEL MEHR”.

Römer 11, 12 und 15

Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wieviel mehr ihre Vollzahl!

Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anders sein als Leben aus den Toten?

Eine Frage, die sich hier stellt, ist: “Mehr als was?“ Die Antwort lautet: mehr als die apostolische Mission des ersten Jahrhunderts. Das ist es. Die “Vollzahl” und “Annahme” Israels wird ähnlich sein, wie die Erweckung im ersten Jahrhundert, nur ein vielfaches grosser. Das ist noch nicht geschehen, aber es wird bald geschehen, so Gott will. Fahren wir fort mit unserer Untersuchung über der “Erwählung” Israels -

5. Überrest der Endzeit

Der Überrest, den Paulus in Römer 11 beschreibt, ist die Gemeinde des messianischen Überrests in Israel. Ein Grossteil meines Lebens ist der Ernährung und dem Wachstum dieser Gruppe von Menschen gewidmet, darum fehlt es mir hier vielleicht etwas an Objektivität. Aber wenn ich die Bibel lese, so gibt es viele Prophetien und Verheissungen, die noch erfüllt werden, sowohl für Israel, als auch für die internationale Gemeinde, in welcher der messianisch-jüdische Überrest eine zentrale Rolle spielen wird. Das beinhaltet:

        Weltevangelisation – Vollendung des Auftrags aus Apg. 1, 8, das Evangelium von Jerusalem bis an die Enden der Erde zu verkünden (Jesaja Kapitel 2, 42 und 49).
  • Einheit der Gemeinde – Anschluss der zahlreichen Äste der internationalen Gemeinde in den Nationen an den Ölbaum von Römer 11, 16-24.
  • Wiederherstellung der apostolischen Grundlagen – Rückkehr zu den Mustern der ersten Glaubensgemeinde in der Apostelgeschichte.
  • Versöhnung unter den Rassen – Ein Beweis für den Frieden des Messias, besonders als Liebeszeugnis zwischen israelisch-messianischen Juden und palästinensisch-arabischen Christen.
  • Endzeitprophetien – Hilfe in der Interpretation der Endzeitgeschehnisse, von denen so viele Israel und den Mittleren Osten betreffen.
  • Geistliche Kampfführung in der Endzeit – Kampf an der Frontlinie gegen die grosse Hure, das Tier und den Antichrist, wie es in der Offenbarung geschrieben steht.
  • Das Königreich in Israel wiederherstellen – Die Berufung von Apg. 1, 6 und Matthäus 24, 14 erfüllen, indem die Perspektive des Königreichs in die Gemeinde und die Nationen gebracht wird.
  • Das Zweite Kommen beschleunigen – Yeshua einladen zurück nach Jerusalem zu kommen, mit dem Schrei von Matthäus 23, 39: “Gesegnet sein der, der da kommt”

6. Endzeitliche Erweckung

Ein zentraler Grund dafür, dass das jüdische Volk “auserwählt” wurde, ist die Tatsache, dass Gott vorhersah und vorherbestimmte, dass es in der Endzeit eine riesige Erweckung in Israel geben würde, in welcher wirklich die ganze Nation zum Glauben an Yeshua käme. Obwohl es immer noch Widerstand gegen das Evangelium hier in Israel gibt, kommen jeden Tag mehr zum Glauben. Paulus bringt seine Argumente für das Schicksal des jüdischen Volkes in Römer 11 zu einem Ende mit der grossen Verheissung von Vers 26: "so wird ganz Israel errettet werden"

So wie das Evangelium entzündet wurde durch eine grosse Erweckung in Jerusalem (Apg. 2), sow wird es mit einer weiteren grossen Erweckung zu Ende gehen. Dieses „zweite“ Pfingsten wird nicht nur die lokale Gemeinde in Jerusalem betreffen, sondern wird die Prophetie erfüllen, dass “Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geist ausgiessen werde auf alles Fleisch (Apg. 2, 17, Joel 2, 28).

7. Nationale Bestimmung

In der christlichen Kultur herrscht grosses Verständnis von persönlicher Errettung, aber nicht von einer nationalen Bestimmung. In der jüdischen Kultur herrscht kein Verständnis der persönlichen Errettung, aber dafür einer nationalen Bestimmung. Es ist ein Teil der paradoxen und oft schmerzhaften Erfahrung des jüdischen Volkes, dass wir uns sehr bewusst sind, dass wir ein auserwähltes Volk sind, aber als Individuen fehlt uns an eigener geistlicher und moralischer Voraussetzung, um uns für dieses Auserwählt-Sein zu qualifizieren.

Nichtsdestotrotz bewegt Gott unser Volk an den Punkt, dass wir seine Berufung erfüllen. Heute befindet sich Israel im politischen Fokus der gesamten Welt. Wir werden betrogen von den liberalen, humanistischen Nationen des Westens und mit Ausrottung bedroht von den islamischen Nationen des Mittleren Ostens. In Israel zu leben, ist wie in einem Dampfkochtopf von religiösen, historischen und militärischen Faktoren. Ob wir es mögen oder nicht, Gott läutert uns in geistlichem Feuer.

Yeshua steht kurz davor zurück zu kehren und sein 1000jähriges Reich auf Erden zu gründen. Die Wiederherstellung Israels ist ein Teil der Vorbereitung der Welt für das messianische Königreich, das kommt. Möge also Gottes Versprechen an Abraham endlich erfüllt werden, dass durch seine Nachkommen alle Völker der Erde gesegnet werden (1. Mose 12, 3; 18, 18; 26, 4)!


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